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Namibia - Zu Land, zu Wasser und zur Luft

In den vergangenen Jahren verbrachte ich meinen Urlaub zumeist in den Bergen. Ende 2001 wollte ich nun wieder einmal einen “Erholungsurlaub” machen. Der Herbst in Deutschland war kalt und verregnet. Was lag näher, als in den sonnigen Süden Afrikas zu entfliehen. Als Reiseziel hatte ich mir Namibia ausgesucht.

Ende des 19. Jahrhunderts besaßen der Hamburger Reeder Woermann und der Bremer Kaufmann Lüderitz in Süd-West-Afrika Planatgen und Handelsstützpunkte. Sie forderten vom Staat Schutz für ihre Ländereien und ihren Handel. Aus diesen Schutzgebieten ging später die Kolonie “Deutsch-Südwestafrika” hervor. Als 1915 südafrikanische Truppen die Kolonisatoren vertrieben, lebten hier ca. 15.000 Siedler.

Die Christuskirche, im neu-romanischen Stil erbaut, und ein Reiterdenkmal erinnern an deutsche Kolonialzeit.

Das Reiterdenkmal wurde 1912 zum Gedenken an  die während der Herero- und Hottentotten-Aufstände (1903-1907) gefallenen deutschen Soldaten errichtet. Nichts erinnert an die vielen Toten unter der schwarzen einheimischen Bevölkerung. Daher gibt es zur Zeit Überlegungen, dieses Symbol des Kolonialismus zu entfernen.

Die Stadt Okahandja ist das Stammeszentrum der Herero. Hier findet man die Gräber ihrer Führer. Ende August findet hier alljährlich zum Gedenken an die verstorbenen Herero-Führer ein grosses Treffen statt.

Der Gedenkstätte gegenüber liegt ein deutscher Soldatenfriedhof.

Innerhalb des Kraals hat jeder Familienangehörige seine eigene Hütte. Außerdem gibt es noch Hütten zum Kochen sowie “Vorratskammern”. Die Ovambos leben von der Landwirtschaft sowie von der Rinderzucht.

Eine Namibiareise beginnt gewöhnlich in Windhoek, der Hauptstadt des Landes. Kaum etwas deutet hier darauf hin, dass man in Afrika ist. Das Stadtbild gleicht dem einer deutschen Kleinstadt: Fachwerkhäuser, Biergärten - alles fast wie zu Hause. Die deutsche Kolonialzeit (1884-1919) hat ihre Spuren hinterlassen. Noch immer spricht man vielerorts deutsch.

Von Windhoek in Richtung Norden gelangt man in das Herero-Land. Die ungewohnte Hitze machte uns zu schaffen. Um so mehr wunderten wir uns über die Kleider der Herero-Frauen. Ihre viktorianische Tracht besteht aus etwa 12 m Stoff. Mehrere Röcke werden übereinander getragen. Ihre Hüte dienten früher der Aufbewahrung von Wertgegenständen. Diese Kleiderform haben sie von den Missionarsfrauen  übernommen.

Die Weiterreise führte uns durch das Ovambo-Land. Die Ovambos sind die größte ethnische Gruppe in Namibia. Wir besuchten ein Ovambo-Gehöft und konnten uns einen Eindruck von der Lebensweise dieser Menschen verschaffen.

 

Die nächsten Tage verbrachten wir im Etoscha Nationalpark. Etoscha bedeutet “grosser weißer Platz”. Früher war hier ein riesiger Binnensee, der keinen Abfluss hatte. Das Wasser verdunstete - zurück blieb eine Salzpfanne. Am Rand der Pfanne befinden sich im Savannengelände etliche Wasserlöcher. Sie ziehen die Tiere der Umgebung an und bieten so beste Möglichkeiten für Tierbeobachtungen.

Da die Rastlager auch an Wasserstellen gelegen sind, kann man die Tiere auch bis spät in die Nacht hinein beobachten.

In Gemeinschaftsnestern brüten die Siedelweber. Ein sperlings- ähnlicher Vogel, der nur in Namibia und Südafrika heimisch ist.

Schließlich erreichten wir das Kaokoveld und den Kunene, Grenzfluss zu Angola. Kaokoveld bedeutet. kleines Land links vom Kunenefluss. Unser Camp bauten wir in der Nähe der Ondurusu Wasserfällen auf.

Baden ist nur im Bereich von Stromschnellen möglich. Im ruhig dahin fließenden Gewässer lauern Krokodile auf Beute.

Bei Namutoni erreichten wir den Etoscha Nationalpark. In der Ovambo-Sprache bedeutet Namutoni soviel wie “hochgelegener Ort”. Hier wurde 1903 ein Fort errichtet, das heute als Hotel dient.

In den Morgen- und Abendstunden suchten wir die verschiedensten Wasserlöcher auf, um die Tierwelt des Etoscha Nationalpark kennen zu lernen.

Neben riesigen Elefantenherden sahen Giraffen, Kudus mit ihren gedrehten Hörner, Springböcke, Zebras sowie Oryx. Die Oryx Gazelle ist das Wappentier Namibias.

Ein Eindruck von der Tierwelt des Etoscha-Nationalpark gibt die Bildergalerie.

Aber auch landschaftlich hat der Nationalpark etliche Reize. Im Westen liegt der Ghost Tree Forest (Geisterwald). Hier findet man die seltenen, bizarr aussehenden Moringa Bäume.

 

 

Die Gehöfte der Himbas sind weit verstreut. In der Trockensavanne ist Viehzucht nur durch Anpassung möglich. Die Nomaden müssen dorthin ziehen, wo sie für ihr Vieh Futter finden.

Hier im Norden trafen wir auch auf die ersten OvaHimbas. Die Himbas sind viehzüchtende Nomaden, die hier in der Kaokoregion leben. Das Land ist karg und wirkt auf uns lebensfeindlich. Sicher ist dies ein Grund, dass sich viele ihrer Traditionen erhalten konnten.

Die Himbas werden auch die “Roten Hirten des Kaokoveldes” genannt. Der Name leitet sich von der rötlichen Farbe ihrer Haut ab. Sie reiben den ganzen Körper sowie das Haar mit Butterfett ein. Diesem wird zuvor ein pulverisiertes eisenhaltiges Gestein beigemengt. Dadurch bekommt das Fett seine typische ockerfarbene Farbe.

Über zum Teil abenteuerliche Schotter- pisten durchquerten wir das Land. Tagelang begegnete uns kein anderes Fahrzeug. Da die Region nur dünn besiedelt ist, war es notwendig, dass wir Benzin, Lebensmittel und Trinkwasser für mehrere Tage mit uns führten. Wer solch eine Reise antritt, sollte auch ausreichend Ersatzreifen mit sich führen. Bei Pannen ist man auf sich selbst angewiesen.

Ein besonderes Erlebnis für jeden off-road-Fahrer ist die Überquerung des van Zyl’s Pass. Über ihn gelangt man in das Marienfluss-Tal.

Das Marienfluss-Tal gehört zur Vor-Namib. Goldgelbe Grasflächen werden von kargen Gebirgszügen begrenzt. Obwohl die Region sehr trocken ist, sahen wir auch hier etliche Tiere.

Schroffe Bergkämme luden zum Klettern ein. Am späten Nachmittag bestiegen wir einen Aussichtsberg. Weit reichte unser Blick in die Wüste. Wir erlebten einen phantastischen Sonnenuntergang, der für die Mühen des Aufstieges reichlich entlohnte.

Unser nächstes Ziel war das Hartmann’s Valley. Ein Tal, das bereits zur Namib zählt und an die Skelett-Küste grenzt. Hier gibt es nur noch eine spärliche Vegetation. Bereits auf der Anfahrt sammelten wir daher Brennholz. Zum Kochen hatten wir jedoch Gasflaschen dabei.

Zu Fuss und mit dem Jeep erkundeten wir die Landschaft. Sie ist geformt aus schroffen Felsen und gelb-braunen Sanddünen.

Auf dem ersten Abschnitt unserer Reise konnten wir noch auf Campingplätzen nächtigen, die auch einigen Komfort - Toilette und Dusche - boten. Hier im Tal ist nur “wildes campieren” möglich. Am Feuer genossen wir den mitgebrachten südafrikanischen Wein. Am nächsten Tag verließen wir den Platz so wie wir ihn angetroffen hatten.

In diesem Trockenfluss leben die letzten Wüsten-Elefanten unserer Erde. Sie sind in der Lage bis zu 4 Tagen ohne Nahrung und Wasser durch die Savanne zu ziehen. Jetzt in der Trockenzeit sammelten sie sich in den Flusstälern, um hier nach Wasser zu suchen.

Wir fuhren weiter Richtung Süden und erreichten schließlich das ausgetrocknete Flussbett des Hoanib. Hier sehen wir Giraffen, Oryx-Gazellen und unzählige Springböcke.

 

 

Auf Grund der bestehenden langen Trockenperiode hatten wir grosses Glück und sahen ungewöhnlich viele Elefanten, die wir aus dem sicheren Jeep heraus beobachteten. Unbeeindruckt von uns Eindringlinge zogen sie an uns vorbei. Einmal nur zeigte uns ein besonders grosses Exemplar, wer der König der Savanne ist.

 

Wir setzten unsere Fahrt fort und fuhren nach Sesfontein. Während der deutschen Kolonialzeit befand sich hier ein Militärposten. In der Anlage ist heute ist ein Hotel untergebracht. Die deutsche Flagge weht jedoch nach wie vor auf dem Aussichtsturm.

In dieser Gegend soll es Nashörner geben. Und wieder hatten wir Glück. Auf einer ausgedehnten Pirsch sahen wir dieses in freier Wildbahn selten gewordene Tier.

Die Reise führte uns weiter durch das Damaraland. Bei Palmwag campten wir in einer Lodge. Seit Tagen bot sich hier für uns wieder einmal die Gelegenheit zum Duschen.

Auf unserer Weiterfahrt kamen wir nach Tweyfelfontein. Ein Ort, der durch seine Felsgravuren bekannt wurde. Auf etlichen Platten sind hier Tiere dargestellt. Das Alter der Gravuren wird auf ca. 2500 Jahre geschätzt.

Nächste Station war Swakopmund am Atlantik. Die 2. grösste Stadt des Landes ist der Ferien- und Badeort Namibias. In ganz besonderem Masse ist die Stadt kulturell und architektonisch durch die deutsche Kolonialzeit geprägt.

Vor der Stadt ist eine Dampflokomotive aus dem Jahr 1896 zu bewundern. Sie wurde aus Deutschland eingeführt. Nach kurzer Fahrstrecke blieb sie jedoch im Wüstensand stecken. Man taufte sie “Martin Luther”, in Gedenken an die Worte des Reformators: “Hier steh’ ich, ich kann nicht weiter.”

Überall in der Stadt lasen wir deutsche Strassennamen, fanden ein “Altes Amtsgericht”, ein deutsches Brauhaus und konnten in einem Café Schwarzwälder Kirschtorte essen.

Gross war unsere Überraschung als eine Robbe plötzlich über die Reling zu uns aufs Schiff kam. Wenn man nicht genau wüsste, dass man sich auf dem Atlantik befindet, man könnte glauben man wäre in einem Zoo oder Zirkus.

Südlich von Swakopmund in Walvis Bay gingen wir an Bord eines Schiffes und fuhren hinaus auf den Atlantik. Unsere Fahrt wurde begleitet von Pelikanen, Ohrenrobben und Delphinen.

 

 

Einen ganzen Vormittag verbrachten wir auf dem Wasser. Zurück im Hafen von Walvis Bay wurden wir zum Abschied noch mit frischen Austern und Sekt verwöhnt.

Bevor es zurück ins Innere des Landes ging, startete ich noch zu einem Rundflug über die Namib Wüste. Nur aus der Höhe sind die Dimensionen dieser lebensfeindlichen Wüste zu begreifen. Zwischen den Dünen liegen Lehmsenken (Vleis).

Der Tsauchab Fluss hat auch den Sesriem Canyon geformt. Eine etwa ein Kilometer lange Schlucht, die von den Siedlern Sesriem genannt wurde, da 6 aneinander geknüpfte Riemen erforderlich waren, um aus der Tiefe Wasser zu schöpfen.

Der Sesriem Canyon liegt ganz in der Nähe zum Parkeingang, der ins Naturschutzgebiet Sossusvlei führt. Der Name “Sossus” kommt aus der Nama-Sprache und bedeutet “Blinder Fluss”. Das Sossusvlei selbst ist die grösste Lehmsenke und von bis zu 300 m hohen Dünen umgeben.

Wir verließen die Namib-Wüste und steuerten Windhoek an. Unterwegs machten wir noch Halt bei der Spitzkoppe (1728 m), dem “Matterhorn Namibias”.

Alle paar Jahre führt der Tsauchab Fluss Wasser in die Wüste. Es entstehen kleine Seen, die bald austrocknen und Lehmsenken zurücklassen.

Ein schmaler Pfad führt hinab in den Canyon. In den aus grauem Sediment bestehenden Wänden sind Nischen und Höhlen zu erkennen, die Vögel als Nistplätze dienen.

Mit geländegängigen Fahrzeugen fuhren wir die Dünenlandschaft hinein. Die Dünen sind nummeriert. Die Düne Nummer 45 mit ihren scharfkantigem Grat dürfte die meistfotografierteste Düne in Namibia sein. Und so findet man sie auf Kalenderblätter oder in Bildbänden für jederman abgebildet.

Steil ragt dieses Inselgebirge aus der Namib empor. 1949 wurde die Spitzkoppe erstmals bestiegen. Uns blieb nur die Zeit für eine Wanderung in seiner Umgebung.