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CHO OYU Expedition

Im April 96 flogen wir zunächst nach Nepal. Da wir den Berg von Norden her besteigen wollten, fuhren wir von Kathmandu nach Tibet. Bei Kodari führt die “Freundschaftsbrücke” nach Tibet. Wir mussten sie zu Fuß überqueren. Auf der anderen Seite nahm uns ein chinesischer LKW in Empfang.

Viele waren gezwungen, ins Exil zu fliehen. So auch der XIV. Dalai Lama, religiöses und weltliches Oberhaupt der Tibeter. Seit 1959 lebt er in Nordindien in Dharamsala, das auch Sitz der tibetischen Exilregierung ist. In den letzten 20 Jahren überrollt eine chinesische Einwanderungs- welle Tibet. Die Tibeter wurden in ihrem eigenen Land zu einer Minderheit und Bürger 2. Klasse.

Deutlich zu erkennen ist, dass die Tibeter an dem "wirtschaftlichen Fortschritt", der mit den Chinesen ins Land kam, nicht teilhaben.

 

Bei der Baruntse Expedition sah ich zum ersten Mal in der Ferne den Cho Oyu. Zu diesem Berg brach im Frühjahr 1996 eine Amical Alpin Expedition auf, an der ich als Expeditionsarzt teilnahm.

 

Seit dem Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee Mao Zedongs 1950 ist Tibet ein von China besetztes Land.  In den ersten 20 Jahren der Okkupation kamen 1,2 Millionen Tibeter ums Leben (ein Fünftel der Gesamtbevölkerung). Während der Kulturrevolution bis zu Maos Tod 1976 wurden über 6000 Klöster zerstört. Tausende von Mönche wurden inhaftiert und getötet. 

In dem tibetischen Ort Nyalam legten wir einen Tag Pause ein, um uns langsam akklimatisieren zu können. Der Ort hat einen chinesischen und einen tibetischen Teil.

Mit zwiespältigem Gefühl setzten wir unsere Fahrt durch das tibetische Hochland fort. Wissen wir doch, dass von unseren Devisen, die wir ins Land bringen, die Tibeter nichts sehen werden. Auf der Fahrt nach Tingri besichtigen wir die Pelgye Ling Gompa. Sie wurde vor der Meditationshöhle des Dichters und Lamas Milarepa erbaut.

Bis in das sog. Fahrerlager auf 4750 m konnten wir mit Jeeps fahren. Zur weiteren Akklimatisation blieben wir hier zwei Tage und unternahmen in der Umgebung einige Eingehtouren. Von einem Moränenrücken hatten wir dabei auch erstmals einen herrlichen Blick auf unser Ziel, den Cho Oyu.

Im April 1996 lag noch sehr viel Schnee, so dass wir den vorgesehenen Lagerplatz, das "Tichy Camp" mit den Yaks nicht erreichen konnten. Wir richteten daher unser Lager 300 m tiefer auf 5330 m ein.

Nachdem wir ausreichend akklimatisiert waren, begannen wir mit den Materialtransporten. Über 3 Hochlager wollten wir den Gipfel erreichen. Zelte und Ausrüstung mussten nun hoch transportiert werden.

Unser Lager 1 war auf 6350 m gelegen. Von hier aus ging es über mehrere Stufen empor bis sich schließlich ein Eisbruch vor uns erhob. An Fixseilen war auch diese Hürde bald genommen.

 

Die Verhältnisse gestalteten sich optimal. Früher als erwartet hatten wir unsere Hochlager auf 6350 m und 6800 m aufgebaut. Unsere Akklimatisation verlief ohne Probleme. Wir waren zum Gipfelsturm bereit.

 

Schließlich brachen wir in Richtung Basislager auf. Begleitet wurden wir von einer Yak-Karawane, die unsere Ausrüstung transportierte.

Im Basislager angekommen richteten wir uns erst einmal für die nächsten Wochen gemütlich ein. Nun galt es, sich in aller Ruhe an die neue Höhe zu akklimatisieren. Für unser Wohl sorgte eine nepalesische Küchenmannschaft.

Hierzu waren wiederholte Aufstiege erforderlich. Zum ersten Hochlager führt ein 300 m langer Schutthang, der sog. "Killerhang". Mühsam steigt man diesen Hang hinauf. Auf dem losen Geröll rutscht man dabei immer wieder den einen oder anderen Schritt zurück. In der dünnen Luft eine wahre Schinderei.

Das Lager 2 errichteten wir auf einem Plateau in einer Höhe von 6800 m. Deutlich niedriger als eigentlich vorgesehen. Dafür aber mit einem herrlichen Blick auf den Gipfelaufbau.

Drei Tage wollten wir uns nun im Basislager erholen. Starker Schneefall setzte ein, der alle Aktivitäten am Berg verhinderte. Günstig für uns, dass dies mit unseren Ruhetagen zusammenfiel.

Im Basislager war der Schnee bald wieder weg geschmolzen. Doch wie wird es am Berg sein? Sind unsere Spuren verweht? Eine neue Spur anzulegen, würde ein zusätzlicher immenser Kraftaufwand bedeuten.

Nach dem Lager 2 gelangten wir über blankes Eis in die “Todeszone”. Die Todeszone beginnt bei 7000 m. In diesem Höhenbereich ist nur für kurze Zeit ein Aufenthalt möglich. Zu schnell schwinden hier die Leistungsreserven.

Nachts um 2 Uhr 20 brachen wir auf. Das "gelbe Band", ein breites Granitband, das um den Berg zieht, wurde an Fixseilen überwunden. Langsam gewannen wir an Höhe. Die eisige Kälte und die dünne Luft machten mir zu schaffen.

Um 10 Uhr 15 war es geschafft. Ich stand zusammen mit meinem Freund Arne Heckele auf dem 6.-höchsten Berg unserer Erde. Das Thermometer zeigte minus 30 Grad und ein eiskalter Sturm fegte über das Gipfelplateau. Insgesamt erreichten 6 von 10 Expeditionsteil- nehmern den Gipfel.

Mit Hilfe unserer Sherpas bauten wir dabei auch Lager 2 und 1 ab und brachten sämtliches Material in unser Camp. Nicht noch einmal wollten wir über den Killerhang aufsteigen müssen, um unsere Ausrüstung herabzubringen.

 

Am 1. Mai brachen wir bei herrlichem Wetter zum Gipfel auf. Die Verhältnisse waren gut. Ein Sturm hatte den Neuschnee weggeblasen. Ohne Probleme erreichten wir unser Lager 2.

Am frühen Nachmittag des 3. Mai erreichte ich das Lager 3 auf 7350 m. Tief unter uns inzwischen der Gyabrag-Gletscher, an dessen Rand unser Basislager lag. Nach Norden ging der Blick weit hinaus Richtung tibetisches Hochland. Die phantastische Fernsicht konnte ich in diesem Moment kaum genießen. Es galt, sich auf die Gipfeletappe vorzubereiten.

Nach sieben Stunden erreichte ich den Eispanzer des Gipfels. Jetzt war der Gipfelerfolg so gut wie sicher. Schritt für Schritt ging es dem Hauptgipfel entgegen. Am Horizont tauchte die Spitze des Mount Everest auf. Für uns ein Zeichen, dass der Gipfel bald erreicht sein mußte.

Nach einer halben Stunde begannen wir mit dem Abstieg. Noch einmal übernachteten wir im Lager 3. Zu müde und erschöpft waren wir, um noch ins Lager 2 absteigen zu können. Vom Lager 3 ging es direkt hinab ins Basislager.

Völlig erschöpft und ausgelaugt erreichten wir am späten Nachmittag das Basislager. Der Gipfel war geschafft. Erst jetzt kam langsam Freude über das Erreichte auf.

In den folgenden Tagen wurde die Wetterlage zunehmend schlechter. Sturm fegte über den Gipfel des Cho Oyu. Wir hatten zum richtigen Zeitpunkt unseren Gipfelaufstieg angetreten.

Meine Tagebuchaufzeichnungen von dieser Expedition habe ich in meinem Buch “Mein Weg zum Dach der Welt “ niedergeschrieben. Die Buchbestellung kann über den Buchhandel, Verlag oder per E-Mail erfolgen.