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Spantik / Pakistan

5 Jahre nach meiner letzten Expedition wollte ich mich noch einmal an einem großen Berg versuchen. Nachdem alle meine bisherigen Expeditionen im Himalaya erfolgten, wollte ich nun erstmals einen Berg im Karakorum besteigen. Meine Wahl traf auf den 7027 m hohen Spantik. Ende August 2006 brach ich mit sieben anderen Kameraden zu diesem Berg in Pakistan auf.

Pakistan entstand 1947 aus Teilen von Britisch-Indien. Hintergrund der Gründung war der Wunsch der muslimischen Bevölkerung nach einem Staat, der nicht Teil des hinduistisch dominierten Indiens ist.

Via Kuwait erreichten wir die Hauptstadt Pakistans Islamabad. Die Stadt wurde erst in den 60er Jahren gegründet und mit einem schachbrettartigen Grundriss angelegt. Am Flughafen empfangen uns unser Expeditionsleiter Markus Walter sowie eine schwüle Hitze von fast 40°C.

Einzige Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Faisal Moschee. Sie ist ein Geschenk des saudiarabischen Königs Faisal. Sie bietet etwa 100.000 Gläubigen Platz und ist damit derzeit die größte Moschee der Welt

Auf den Straßen sind fast nur Männer zu sehen. Ihre traditionelle Kleidung ist der Shalwar Kameez: ein langes Hemd, das über eine weite Hose getragen wird. Die wenigen Frauen, die man sieht, tragen meist die Burka. In der Regel ein schwarzes Kleidungsstück, das lediglich für die Augen ein Sichtfenster frei lässt.

Wir fahren nach Rawalpindi, das nur wenige Kilometer von Islamabad entfernt liegt. Die Stadt ist historisch gewachsen und bietet noch einen alten Stadtkern. Stimmungsvoll ist ein Spaziergang über einen der vielen Bazare.

Gleich am Tag nach unserer Landung in Pakistan machen wir uns auf den Weg nach Skardu, dem Ausgangspunkt vieler Expeditionen im Karakorum. Zunächst durchfahren wir eine Region, in der im Oktober 2005 ein Erdbeben verheerende Zerstörungen angerichtet hatte. Das Beben der Stärke 7,6 führte auch zu Zerstörungen im benachbarten Afghanistan sowie in Nordindien.

Die Zahl der Erdbebenopfer ist mittlerweile auf 84.000 angestiegen. Hinzu kommen 1.400 Todesopfer in Indien. Immer noch leben etliche Menschen in Zeltstädten.

Über den Karakorum-Highway (KKH) führt unsere Fahrt nach Norden. Eine abenteuerliche Straße. Erst 1978 wurde sie fertiggestellt.  Sie verbindet den Nordwesten Pakistans mit Kaschgar in der Provinz Xinjiang (Westchina). Über eine weite Strecke schlängelt sich die Straße am Indus entlang. Auf der einen Seite ragt brüchiger Fels empor, auf der anderen Seite fließt in der Tiefe der tosende Strom.

Am 2. Tag auf unserer Fahrt gen Norden bietet sich ein phantastischer Blick auf den 8125 m hohen Nanga Parbat. Er ist der westlichste 8000er in der Himalaya-Kette.

Wenig später erreichten wir den “Junction Point”. Hier stoßen Himalaya (rechts), Karakorum (Mitte) und Hindukusch (links) zusammen. An diesem markanten Punkt mündet der Fluß Gilgit in den Indus.

Der KKH ist heute ein lebenswichtige Verkehrsader zwischen Süd und Nord. Unzählige Trucks befördern Lasten über diese Straße. Sie sind eine Augenweide. Die Karosserien sind bunt bemalt, oft haben sie geschnitzte massive Holztüre. Girlanden, Glöckchen und vieles mehr verzieren die Fahrzeuge. Doch leider bewegen sie sich oft nur im Schneckentempo vorwärts.

Wir verlassen wir den KKH und fahren weiter am Indus entlang Richtung Skardu. Doch plötzlich geht nichts mehr. Wir stehen im Stau. Ein Erdrutsch macht ein Weiterkommen unmöglich. Erst nach Stunden ist die Straße wird passierbar.

Fuhren wir bis Skardu mit einem Bus, so setzen wir nun die Fahrt mit Jeeps fort. Über eine wilde abenteuerliche Piste geht es durch das Shigar-Tal nach Arandu (2760 m). Dies ist die letzte Siedlung auf unserem Weg ins Basislager.

Mit 63 Trägern brechen wir zum Spantik-Basislager auf. 3 Tage nehmen wir uns hierfür Zeit. Vor uns liegt der Chogo Lungma Gletscher. Mit einer Länge von 47 km zählt er zu den größten Gletschern des Karakorum.

Im ständigen Auf und Ab geht es der Gletschermoräne entlang. Nur langsam gewinnen wir an Höhe, was unserer Akklimatisation dienlich ist. Schließlich taucht in der Ferne am Ende des Gletschers unser Ziel auf: der 7027 m hohe Spantik.

Am 3. Tag des Anmarsch-Trekkings geht es auf über den Gletscher zum Basislager. Gletscherbäche und Spalten müssen dabei überwunden werden.

Unser Basislager ist auf 4300 m auf einer Aussichtskanzel gelegen. Von hier aus bietet sich uns ein herrlicher Blick über den Chogo Lungma Gletscher, auf dessen Nordseite unserer Weg hierher führte.

Unsere Träger kehren zurück nach Arandu. Mit Jehangier, Karim und Niat bleiben drei Einheimische bei uns. Sie werden im Camp für unser leibliches Wohl sorgen.

Zunächst gilt es, sich an die neue Höhe zu gewöhnen. Doch auch ständiger Schneefall zwingt uns zur Untätigkeit.

Am 3. Tag steigen wir bei herrlichem Sonnenschein ins erste Hochlager auf. Es liegt auf etwa 5300 m. Da wir auf Hochträger verzichten, müssen wir sämtliches Material und Verpflegung in mehreren Aufstiegen in die Hochlager transportieren.

Das 1. Hochlager ist am Beginn eines langgezogenen Bergrückens gelegen. Über diesen wird der weitere Anstieg erfolgen. Am Ende dieses Südgrates liegt der Gipfel des Spantik.

Die Höhendifferenz zwischen den Lagern 1 und 2 beträgt zwar nur 300 Höhen- meter. Doch müssen auf diesem Weg im ständigen Auf und Ab mehrere Erhebungen überschritten werden. Auf Grund des Neuschnees und der schweren Rucksäcke ein anstrengendes Unterfangen. Außerdem erfordern etliche Spalten ein konzentriertes Gehen.

Da der Aufstieg immer dem Grat folgt ist die Aussicht nach allen Seiten grandios. Im Süden dominieren der 7409 m hohe Haramosch sowie der Leila Peak.

Im Westen ragen bizarre Granittürme empor. In der Ferne erheben sich unzählige Eisgipfel. Mit zunehmender Höhe hoffen wir, auch den K2, Broad Peak und Gasherbrum erkennen zu können.

Unser Lager 2 liegt auf ca. 5600 m. Zunächst gilt es, für drei Zelte eine Plattform zu schaffen. Eine Schneemauer schützt vor dem Wind, der zum Teil heftig über den Grat fegt.

Wir kehren noch einmal ins Basislager zurück. Dann wollen wir nach zwei Ruhetagen den Gipfelaufstieg in Angriff nehmen. Noch ist das Wetter gut. Aber den Informationen des Wetteramtes in Innsbruck zufolge, müssen wir in den nächsten Tage mit einer Verschlechterung rechnen.

Ein letztes Mal geht es über Fels steil zum Lager 1 hinauf. Obwohl in der Ferne bereits dunkle Wolken zu sehen sind, sind wir am nächsten Tag beim Aufbruch ins Lager 2 noch voller Zuversicht. Im weiteren Verlauf trübt es jedoch immer mehr ein. Etwa 1 Stunde vor Lager 2 kommt Sturm auf und Schneetreiben setzt ein. Wir sind froh als wir endlich die schützenden Zelte erreicht haben.

In der Nacht hat sich der Sturm gelegt. Auch hat es aufgehört zu schneien. Wir hoffen darauf, dass die Schlechtwetterfront uns passiert hat und steigen am nächsten Morgen in Richtung Lager 3 auf, das in einer Höhe von 6300 m liegt.

Unser Expeditionsleiter hatte hier bereits vor einigen Tagen ein Zelt aufgebaut und dabei auch den Gipfel des Spantik erreicht.  Kurz hinter unserem Lager geht es an Fixseilen steil hinauf. Im Aufstieg beginnt es erneut zu schneien. Auf Grund der Verhältnisse brechen wir unseren Gipfelsturm ab.

Für einen weiteren Gipfelversuch bleibt uns keine Zeit. Die Lager müssen abgebaut und sämtliches Material zurück ins Basislager transportiert werden. In zwei Tagen werden bereits unsere Träger für den Rückmarsch im Camp eintreffen.

Mit 32 Träger treten wir den Rückweg nach Arandu an. Inzwischen bestens akklimatisiert benötigen wir diesmal nur Tage.

Wir lassen Fels und Eis hinter uns. Es schön nach Tagen in der einsamen Bergwelt langsam wieder in die Zivilisation zurückzukehren, durch ein Dorf zu schlendern und auch wieder das Grün der Wiesen zu riechen.

Bereits am Mittag des 2. Tages erreichen wir Arandu, so dass wir noch am gleichen Tag mit Jeeps nach Skardu weiterfahren können. Von Skardu war ein Rückflug nach Islamabad geplant. Da es sich hierbei um ein Sichtflug handelt, wurde dieser auf Grund der Wetterverhältnisse gestrichen. Somit durften wir noch einmal eine Busfahrt auf dem KKH erleben. Diesmal blieben wir jedoch von Überraschungen verschont.