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Bhutan

Eines der geheimnisvollsten Länder des Himalaya ist Bhutan. Nepal und Tibet hatten ihre Grenzen für Touristen schon lange geöffnet, als Bhutan noch immer an seiner selbstgewählten Isolation festhielt. Erst 1974 öffnete das Land seine Grenze für Touristen. Doch noch immer ist es nicht möglich, das Land als Einzelreisender zu besuchen. Man ist bestrebt, die Zahl der Touristen zu limitieren. Nur etwa 5000 Touristen werden pro Jahr ins Land gelassen. Diese müssen dann für Transport, Unterkunft, Führer etc. einen Tagessatz von bis zu 240 US-Dollar zahlen. Diese Praxis soll das Land vor den negativen Einflüssen des Tourismus auf Kultur und Natur bewahren.

Bhutan ist das einzige buddhistische Königreich im Himalaya. Buddhismus und Tradition prägen seit jeher das Land. In der Sprache Bhutans heißt das Land “Druk Yul”, was übersetzt so viel bedeutet wie “Land des Donnerdrachens”. Dies geht auf einen Mythos aus dem 12. Jhrt. zurück. Bei der Einweihung eines Klosters hörte man einen lauten Donnerschlag, den der Volksglaube als das Gebrüll eines Drachens deutete.

Im Frühjahr 2003 konnte ich meinen Traum einer Bhutan-Reise realisieren. Da für Individualtouristen eine Einreise kaum möglich ist, nahm ich an einer organisierten Reise von “Hauser Exkursionen “ teil. Die Anreise erfolgte über Delhi. Von hier aus fliegen wir mit der königlichen Fluglinie “Druck Air” nach Paro. Der “Donnerdrachen” landet auf dem einzigen Flughafen des Landes.

Jedes Jahr im April findet hier ein großes buddhistisches Fest statt. Trotz dieses Paro-Festes, zu dem sich Besucher aus Nah und Fern einfinden, macht die Stadt auf uns einen geruhsamen, fast verschlafenen Eindruck.  Das Tal ist nur dünn besiedelt, die Landwirtschaft dominiert. Die Natur ist hier noch in Takt.

Es empfängt uns eine wohltuende Ruhe. Im Gegensatz zu anderen Himalaya-Ländern, wie etwa Nepal, ist man in Bhutan bestrebt, durch restriktive Vorschriften die Natur und das kulturelle Erbe zu bewahren. Häuser müssen im traditionellen Stil erbaut werden. Phallus-Symbole an der Tür sollen böse Geister abhalten und Fruchtbarkeit symbolisieren.

Auffällig ist die Fröhlichkeit der Bhutanesen. Vielleicht liegt der Grund dafür in ihrem tiefen Glauben. Sie sind von einer inneren Heiterkeit, an die sich der Besucher noch lange erinnern wird.

 

Eine der Hauptattraktionen des Landes sind die Klosterburgen (Dzongs). Als Festungen wurden Dzongs an strategisch wichtigen Punkten errichtet. Zumeist auf Bergrücken oder in Flusstäler. Mit ihren wuchtigen, abgeschrägten Außenmauern dienten sie früher als Schutzburgen vor Feinden. Heute sind sie Klöster sowie Verwaltungssitz der jeweiligen Distrikte.

n der Öffentlichkeit tragen Bhutanesen ihre traditionelle Tracht. Männer den sog. Go, zu dem bei offiziellen Angelegenheiten ein Zeremonialschal gehört.  Die Tracht der Frauen wird als Kira bezeichnet.

Die Ursprünge des Buddhismus in Bhutan liegen im Paro-Tal. Der Kyichu-Lhakang wurde im 7. Jhdt. von einem tibetischen König gegründet.

Alle Dzongs feiern einmal im Jahr ein Tsechu, ein religiöse Fest zu Ehren von Guru Rinpoche. Für Bhutanesen sind diese Feste der religiöse, kulturelle und gesell- schaftliche Höhepunkt des Jahres.

Die Dzongs dürfen Touristen in der Regel nicht besichtigen. Nur während der Klosterfeste öffnen sie auch für Fremde die Tore. In der Versammlungshalle finden sich eindrucksvolle Wandgemälde. U. a. zeigen sie Padmasambhava (Guru Rinpoche) und Shabdrung.

Der wohl interessanteste Tanz des Tsechu ist der “Tanz des Totengerichtes”. Das Schauspiel wird von Rakshas, den Helfern des Totengottes in gelben Röcken und Tiermasken eröffnet. Dann erscheint der Totengott Yama oder Shinje, wie er in Bhutan genannt wird.

Mit seinem Tod ist der Mensch in den Bardo eingetreten - hier verbleibt er bis zu seiner Wiedergeburt. Als schwarz gekleideter Sünder nimmt er vor dem Totengott Platz.

Schliesslich wird der Tote in die Hölle geschickt, um hier für seine schlechten Taten zu büßen. Hieraus kann er sich nur selbst befreien, in dem er durch gute Taten eine weiße - reine - Seele erlangt.

Am letzten Tag des Festes wird noch bei Dunkelheit eine riesige Thangka entrollt. Sie zeigt Guru Rinpoche mit seinen beiden Gefährtinnen sowie seine acht Manifestationen. Allein der Anblick des Thangkas soll den Betrachter von allen künftigen Reinkarnationen erlösen. Sie wird daher auch “thongdrol” genannt, die Thangka dessen Anblick befreit.

Bei den Maskentänzen wird pantomimisch der Sieg des Guten über das Bösen dargestellt. Die Tänze werden von Mönchen in prachtvollen Kostümen vorgeführt.

 

Er trägt die Teufelsmaske mit einer Krone aus Totenköpfen. Auf der Stirn hat er ein drittes Auge, das Auge der Weisheit und Erkenntnis. Er wird nun über den Verstorbenen richten.

Der gute weiße Geist und der schwarze Dämon der Hölle tragen die guten sowie die schlechten Taten des Verstorbenen vor.

Belebt wird das feierliche Schauspiel durch die Spassmacher Atsaras, die mit ihren Darbietungen und zum Teil derben Scherzen versuchen, das Publikum aufzuheitern.

Zu dieser Zeremonie versammeln sich die Mönche des Paro Klosters auf dem Platz vor der Thangka. Nach der Zeremonie wird sie wieder zusammen- gerollt und bis zum nächsten Tsechu im Kloster verwahrt.

Der bekannteste Tempelbezirk von Bhutan ist zweifelsohne der Taktsang-Lhakhang, das “Tigernest”. Der Sage nach soll Guru Rinpoche auf einer Tigerin reitend von Tibet aus hierher geflogen sein. Das Kloster wurde 1648 an der Stelle seiner Meditationshöhle errichtet. Es gilt als Bhutans heiligste Stätte und darf von Fremden nicht betreten werden.

Obwohl Punakha von Paro nur ca. 130 km entfernt ist, nimmt die Fahrt fast den ganzen Tag in Anspruch. Bis vor 20 Jahren bestand Punakha nur aus dem dortigen Dzong. Er wurde 1637 von Shabdrung Ngawamng Namgyel am Zusammenfluss zweier Flüsse errichtet. Lange war der Ort wegen seiner geringen Höhe (1350 m) die Winterhauptstadt des Landes.

 

Nach dem Paro Fest ging unsere Reise weiter nach Punakha. Dabei musste der Pass Dochu La mit 3050 m überquert werden. Gebetsfahnen und Chorten markieren die Passhöhe. Bei klarer Sicht soll man von hier einen phantastischen Blick auf die schneebedeckten Berge des Himalaya haben.

Alljährlich zogen Regierung und Mönchen zwischen Thimphu und Punakha hin und her bis vor ca. 40 Jahren Thimphu alleinige Hauptstadt Bhutans wurde. Heute dient der Punakha Dzong als Winterresidenz des Je Kempo, des religiösen Oberhauptes von Bhutan.

Der Dzong entstand im 17. Jhdt. Durch Feuer, Erdbeben und Überschwemmung kam es immer wieder zu schweren Schäden, so dass er mehrfach neu errichtet bzw. renoviert werden musste.

In der Versammlungshalle konnte ich mit einigen Mönchen sprechen. Bereits im Alter von 5 oder 6 Jahren werden die Kinder ins Kloster geschickt. Der Staat sorgt für ihren Lebensunterhalt. Im Laufe der Zeit legen sie verschiedene Gelübde ab und werden so vom Novizen zum Mönch.

Unsere letzte Station in Bhutan ist Thimphu, seit 1955 die Hauptstadt des Landes. Der Tashichoe Dzong ist der heutige Regierungssitz.

Im Dzong sind der Thronsaal des Königs, die Ministerien sowie das grösste Kloster des Landes untergebracht. Dem religiösen Oberhaupt Bhutans dient er als Sommerresidenz.

Im Zentrum der Stadt befindet sich der “Gedenk-Chorten”. Er wurde 1974 zum Gedenken an König Dorje Wangchuk, den 1972 verstorbenen dritten König Bhutans errichtet. Im Gegensatz zu anderen Chorten handelt es sich hier um eine Kapelle, in der der tantrische Buddhismus in seiner Vielschichtigkeit dargestellt wird.

Auch wenn man überall im Land mit der Religion konfrontiert wird, bietet Bhutan noch viel mehr. Gerade der Wochenmarkt in Thimphu gibt Gelegenheit, das Land und seine Menschen kennen zu lernen. Hier erfahren wir auch mehr über “Doma”. Das Kauen von Betel ist weit verbreitet. Auf den Konsumenten soll es eine berauschende Wirkung haben.

Auch das Kunsthandwerk ist sehr vielfältig. Neben gewebten Stoffen, Holzskulpturen ist es vor allem das handgeschöpfte Papier, das weit über die Landesgrenze hinaus Bekanntheit erlangt hat. Grundlage für die Papierherstellung ist die Rinde von Daphne- bzw. Edgeworthia-Sträucher. Die Rinde wird zu einem Brei zerstossen und anschliessend gekocht.

Bei der Herstellung von Tsasho, einer Papiersorte, die man nur in Bhutan kennt, wird der Papierbrei auf einem aus dünnen Bambusfasern geflochtenen Rahmen verteilt. Die hierbei gewonnen Blätter werden anschliessend gestapelt und das Wasser ausgepresst.

Von Bhutan ging unsere Reise weiter nach Sikkim. Über diese Region und unser dortiges Trekking berichte ich auf einer eigenen Seite.