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Tibet

Im Rahmen meiner Expeditionen zum Cho Oyu bzw. zur Shisha Pangma war ich bereits zweimal in Tibet. Doch diese Bergbesteigungen ließen kaum Zeit, das Land mit seinen Menschen und seiner Kultur kennen zu lernen. Nun wollte ich das Land hinter den mächtigen Himalaya-Bergen besuchen, um mehr über Tibet zu erfahren.

Von Kathmandu flogen wir entlang der Himalayakette auf das “Dach der Welt”. Der Flughafen von Lhasa liegt 90 km von der Stadt entfernt. Die Fahrt in Tibets Hauptstadt führt entlang des Tsangpo (auch Brahmaputra) und des Kyi Chu. Unterwegs ist eine riesige Felsmalerei, die den historischen Buddha Sakyamuni darstellt, zu bewundern

1950 besetzte China Tibet. Seitdem hat das Land ausgeprägte Veränderungen erfahren. Zehntausende von Tibetern flohen nach der chinesischen Invasion ins Ausland, die meisten nach Indien, Nepal und Bhutan. Der Dalai-Lama gründete in Indien eine tibetische Exilregierung. 1965 wurde Tibet formal zur autonomen Region der Volksrepublik China erklärt, und verkündet, dass die Region einer kontinuierlichen Umwandlung zum Sozialismus unterzogen werde. Während der Kulturrevolution wurden fast alle Klöster und buddhistischen Denkmäler zerstört. Man schätzt, dass seit 1950 bis zu einem Sechstel der Bevölkerung Tibets durch die kommunistische Gewaltherrschaft ums Leben kam.

Wenn man heute in Lhasa unterwegs ist, spürt man kaum noch etwas von der früheren Ausstrahlung der Stadt. Verschwunden ist der alte Stadtkern mit den engen, verwinkelten Gassen und den für Tibet typischen Häusern. Nur noch wenige alte Gebäude sind geblieben. Sie sind weiß gekalkt, haben dunkle Fensterumrandungen und bunte Ziervorhänge.

Heute führen breite, mehrspurige Straßen durch die Stadt. Chinesische Plattenbauten beherrschen das Stadtbild. Große Kaufhäuser mit mannigfaltigstem Warenangebot reihen sich aneinander. Durch die ungebremste Einwanderung von Han Chinesen sind die Tibeter in ihrem eigenen Land inzwischen zu einer Minderheit geworden.

Unseren Rundgang durch die Stadt begannen wir am Jokhang, der heiligsten Tempelanlage in Tibet. Sein Bau wurde von Srongtsen Gampo, dem 1. König Tibets im 7. Jhdt. veranlasst. Er führte den Buddhismus in Tibet ein. Der Jokhang ist das religiöse Zentrum des tibetischen Kulturbereiches. Gläubige aus nah und fern kommen hierher und umrunden den Jokhang auf dem Barkhor.

Andere bekunden ihren Glauben dadurch, in dem sie sich auf dem Vorplatz des Tempels immer wieder niederwerfen. Diese Niederwerfungen erfolgen vor der Statue des “Yowo” (Buddha Sakyamuni), diese ist die am meisten Verehrteste in Tibet und steht in der zentralen Kapelle des Jokhangs.

Nach Einmarsch der Chinesen in Lhasa wurde der Jokhang als staatliches Gästehaus und Kino zweckentfremdet. Erst seit 1979 dient er wieder als buddhistischer Tempel.

Nur wenige Mönche leben heute im Jokkang. Auf dem Dach konnten wir ihnen bei der Kunst des Debattierens zuschauen. Ein Mönch stellt dem sitzenden Prüfling eine Frage und klatscht dabei in die Hände. Die Antworten sind meist wörtliche Zitate aus heiligen Schriften.

Auf dem Dach des Jokhang befindet sich auch das “Rad der Lehre”, das von zwei Gazellen flankiert wird. Es soll an Buddhas erste Predigt im Gazellenhain bei Benares erinnern.

Seit dem Ende der Kulturrevolution in den späten siebziger Jahren hat China seine Politik gegenüber Tibet etwas gelockert. China gab 1980 zu, in Tibet Fehler gemacht zu haben, und kündigte Reformen an. So wurde etwa die Religionsausübung gestattet; von den Roten Garden zerstörte Klöster wurden wieder aufgebaut mit dem Ziel, das Verhältnis zur Bevölkerung zu verbessern. Dennoch kam es im August 2000 wieder zu Übergriffen chinesischer Sicherheitskräfte gegen religiöse Anhänger des Dalai-Lama. Der Jokhang-Tempel wurde gewaltsam geräumt und die buddhistischen Mönche vertrieben.

Mächtigstes Bauwerk in Lhasa und Symbol weltlicher und geistlicher Macht ist der Potala Palast. Mit seinem Bau wurde im 17. Jhdt. unter dem 5. Dalai Lama begonnen. Bis zur Flucht des 14. Dalai Lama ins Exil nach Indien diente er als Amtssitz. Seitdem stehen die Wohnräume leer.

Im Potala konnten wir nur den Roten Palast besichtigen. Schmale, von Butterlampen beleuchtete Gänge verbinden die einzelnen Kapellen und Wohnräume. Mit Ausnahme des 6. haben alle Dalai Lamas hier ihre letzte Ruhestätte in sog. Tschörten gefunden. 

Ein berühmtes Kloster in Nähe von Lhasa ist das Kloster Sera. Es ist eines der wichtigsten Lehrzentren der Gelugpa Sekte (Gelbmützen). Von hier aus nahmen Ende der 80er Jahre die Aufstände der Tibeter gegen ihre chinesischen Besatzer ihren Ausgang.

 

Von Lhasa fuhren wir ins Yarlung-Tal. Hier stand die Wiege der tibetischen Kultur. Die Geschichte Tibets beginnt im 1. Jhdt. v. Chr.. König Nyatri Tsenpo soll die Nomadenstämme vereinigt haben. Angeblich hat er im Yumbu Lhakhang gelebt.

Später diente die Festung als Tempel.  Neben einem Jowo Buddha (rechts) finden sich hier Statuen von Nyatri Tsenpo (sein Finger weist nach oben als Zeichen seiner himmlischen Herkunft)  sowie Sronstsen Gampo.

Von den umgebenden Bergen hat man einen phantastischen Blick über das  Yarlung-Tal. Es zählt zu den fruchtbarsten Regionen in Tibet. In diesem Tal befindet sich auch das Nyingmapa Kloster Mindroling. Die Sekte der Nyingmapa (Rotmützen) zählt neben den Gelugpa zu den wichtigsten Schulen im Lamaismus. Mindroling ist mit das älteste Kloster der Sekte. Es diente als Studienzentrum für Philosophie und Medizin.

Während der Kulturrevolution wurde auch dieses Kloster zerstört. Seine Restaurierung erfolgte erst in den letzten Jahren. Es ist heute das einzige der Nyingmapa-Sekte in Tibet. Der Abt des Klosters befindet sich im Exil in Indien. Zurzeit leben hier nur noch wenige Mönche.

Im August 2005 kehrte ich nach Tibet zurück, um den heiligen Berg “Kailash” zu umrunden. Lange schon stand dieser Berg auf meiner Wunschliste. Nun sollte es endlich soweit sein. Ausgangspunkt für diese Pilgerreise war Simikot im Nordwesten von Nepal.

Nachdem der nepalesische König Gyanendra am 1.02.2005 den Ausnahmezustand über das Land verhängt hatte, eskalierte der Konflikt zwischen den maoistischen Rebellen und dem Militär. Lange Zeit waren wir im Unklaren, ob wir überhaupt über Nepal zum Kailash gelangen können. Umso glücklicher waren wir, als wir Anfang August in Simikot landeten.

Simikot ist der zentrale Ort in Humla, einem der entlegensten nepalesischen Distrikte. Der Diskret wird von den Maoisten kontrolliert. Nur in Simikot gibt es noch eine Militärstation.

Von hier aus starteten wir zu einem 6-tägigen Anmarsch-Trekking, das uns zur Grenze nach Tibet führte. Unser Weg führte entlang des Flusses Humla Karnali auf einer alten Handelsroute zwischen Tibet und Nepal.

Auch heute wird auf dieser Route noch Salz aus Tibet nach Nepal transportiert.

Wir erreichten den Nara La (4580 m). Der Pass ist mit Gebetsfahnen markiert. Von hier aus hat man einen ersten Blick über das tibetische Hochland. Wir stiegen ab nach Hilsa. Am Humla Karnali gelegen ist sie die letzte Siedlung in Nepal vor der Grenze zu Tibet.

Immer einsamer wird die Region. Als wir schon kaum noch damit rechneten, stießen wir auf eine Gruppe maoistischer Rebellen. Über 100 € mussten wir pro Person zahlen, um unserer Trekking fortsetzen zu können.

 

 

 

 

Nächste Station war der Manasarovar-See (4558 m), ein heiliges Pilgerziel der Tibeter. Direkt am See unterhalb der Chiu Gompa errichteten wir unser Lager. Hier soll Guru Rinpotsche (Padmasambhava) die letzten Tage seines Lebens verbracht haben.

Auf der anderen Flußseite liegt Tibet. Hier werden wir von Jeeps abgeholt, mit denen wir unsere Reise fortsetzten.

 

 

 

Mit unseren Jeeps umfuhren wir den See und besichtigten das Kloster Serlung und die Gösul Gompa.

Früher lagen 8 Klöster am See. Alle wurden während der Kulturrevolution zerstört. 6 der Klöster wurde inzwischen wieder aufgebaut.

Der Kailash ist für Buddhisten, Hinduisten, Bön und Jain ein heiliger Berg und Pilgerziel. Seine Umrundung erfolgt im Uhrzeigersinn, nur die Anhänger der Bön-Religion umschreiten den Berg in entgegengesetzter Richtung.

Inzwischen gut akklimatisiert ging es weiter nach Darchen. Hier begann unser Kora, die Umrundung des Kailash. Wir erreichten Tarboche. Im Frühjahr findet hier an Buddhas Geburtstag das Saga Dawa Fest statt.

 

 

 

Auf der Kora liegen etliche heilige Plätze, die von den Pilgern verehrt werden. So gibt es mehrere spezielle Niederwerfungsplätze und Steine mit Fußabdrücken von Heiligen.

Auf unserer Kora kamen wir an 4 Klöstern vorbei. Im Lha Chu Tal - Götterfluß-Tal - liegt die Chuku Gompa. Lag der Kailash bislang zumeist in Wolken, hatten wir von hier aus einen ersten freien Blick auf die Eispyramide.

 

 

 

Ist der Dölma La (5636 m) erreicht erlangt der Pilger Dank der Barm- herzigkeit der Göttin Dölma sein Leben wieder zurück. Der Pass ist übersät von Gebetsfahnen. Auch wir ließen eine Gebetsfahne zurück und traten den Rückweg nach Darchen an.

Bevor man den Pass Dölma La erreicht gelangt man ins Shiva-Tsal. Hier durchschreitet der Pilger die Pforte des Todes und läßt als symbolische Geste einen persönlichen Gegenstand zurück.

 

 

 

Mit Jeeps ging die Reise weiter. Nächste Station war Shigatse, zweitgrößten Stadt Tibets und Sitz des Panchen Lama. In der Stadt erinnert kaum noch etwas an die tibetische Vergangenheit. Sie wird geprägt von chinesischen Plattenbauten.

 

Das Kloster Tashilunpo ist seit dem 16. Jh. Sitz des Panchen Lama. Da dieser während der Kulturrevolution nicht flüchtete wurde es weit aus weniger zerstört als andere Klöster.

In Gyantse hingegen wurde der ehemalige Klosterbezirk Palkhor nahezu komplett zerstört. Von 15 Klöstern haben nur 2 die Zerstörungswut der Chinesen überstanden. Erhalten blieb der begehbare Kumbum-Chorten.

In unmittelbarer Nähe des Klosters liegt die Altstadt, die glücklicherweise ihren tibetischen Charakter erhalten konnte.

4 Jahre sind seit meinem letzten Besuch von Lhasa vergangen. Die Stadt hat sich enorm verändert. Sie hat nicht nur an Größe zugenommen, sondern ist inzwischen zu einer chinesischen Metropole geworden. In der Stadt findet man nur noch einige wenige “Relikte”, die an die tibetische Vergangenheit erinnern.

 

Erneut besichtigte ich den Potala. Inzwischen steht nur noch ein Teil des “Roten Palastes” für Besucher offen. Heute ist der Potala das am besten überwachte “Museum” Chinas.

Nach wie vor besitzt der Jokhang eine magische Anziehungskraft. Es ist angenehm zu sehen, dass immer noch Tibeter hierher kommen, um sich vor “Yowo” niederzuwerfen und so ihren Glauben zum Ausdruck bringen.

 

 

 

I

Im November 2005 wurden die Mönche des Klosters aufgefordert, ein Dokument zu unterschreiben, in dem sie den Dalai Lama als Separatisten bezeichnen. Auf die Weigerung der Mönche reagierten die chinesischen Behörden mit Verhaftungen und verschärften Restriktionen.

In der Nähe von Lhasa liegt das Kloster Drepung. Bevor der Potala erbaut wurde, diente Drepung dem 5. Dalai Lama als Regierungssitz. Vor der Kulturrevolution war Drepung das größte und reichste Kloster in Tibet. Vor 1959 lebten über 8000 Mönche in der Klosterstadt.

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Abschluss unserer Reise bildete ein Besuch des Sommerpalastes des Dalai Lama, Norbulingka, dem “Edelsteingarten”. Von hier aus flüchtete der 15. Dalai Lama am 17. März 1959 ins Exil. Kurz darauf geriet er unter Artilleriebeschuss und wurde zerstört. Inzwischen wurde die Anlage restauriert und dient nun als Volkspark.