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Bolivien: 6000er Klassiker

Nachdem ich in den letzten 3 Jahren keine hohen Berge mehr bestiegen hatte, plante ich für den Sommer 2004 wieder eine Bergsteigerreise in die Anden. Reiseziel sollte Bolivien sein. Dort wollte ich innerhalb von 3 Woche die 6000er Huayna Potosi - 6088 m, Sajama - 6542 m und Illimani - 6462 m besteigen. Ein anspruchsvolles und anstrengendes Vorhaben. Da eine derartige Reise eine ausgefeilte Logistik und Organisation verlangt, unternahm ich diese mit Amical alpin. Mit diesem Veranstalter hatte ich schon etliche erfolgreiche Touren durchgeführt.

In unmittelbarer Nähe zum Hotel liegt die Plaza Murillo mit dem Regierungsgebäude, Präsidentenpalast und Kathedrale. Soldaten in alten Uniformen halten Wache vor dem Mausoleum von Marschall Andrés Santa Cruz, der 1829 Präsident Boliviens wurde.

Oberhalb der Franziskanerkirche erstreckt sich der Mercado de Hechicería, der für La Paz berühmte Hexenmarkt.

Größere Sympathie genießt bei mir jedoch der indianische Gott “Ekeko”. Er gilt als Gott des Wohlstandes und des Überflusses. Man behängt ihn mit allem was das Herz begehrt. Ekeko wird dann dafür sorgen, dass die Wünsche in Erfüllung gehen.

Die Tiahuanaco-Kultur und das Inka-Reich hatten hier ihren Ursprung. Zunächst besuchten wir die Ausgrabungen von Tiahuanaco. Der Ort war von 1500 v. Chr. bis 1200 n. Chr. bewohnt und lag früher einmal direkt am Titicaca-See. Im Laufe der Zeit ist der See geschrumpft, so daß Tiahuanaco heute ca. 20 Kilometer entfernt vom See liegt.

Es ist anzunehmen, dass die Tiahuanaco-Kultur in Bezug auf Kunst, Astronomie, Mathematik und Töpferhandwerk wesentlich höher entwickelt war als jene der Inka. Eine Naturkatastrophe hat wohl den Zerfall und den Untergang dieser Kultur bewirkt noch bevor die Inkas in dieses Gebiet eindrangen.

Am Ufer des Sees schlugen wir unsere Zelte auf und erlebten einen phantastischen Sonnenuntergang mit Blick auf die nördlichen Cordillera real mit Illampu und Ancohuma.

Nach einer Wanderung auf der Insel fuhren wir am nächsten Tag mit einem Boot nach Copacabana weiter. Hier ging es auf einem Kreuzweg auf den Cerro Calvario, von dem man einen schönen Blick auf die Stadt hat. Anschließend besichtigten wir die Kathedrale. Sie ist eine Pilgerstätte für jeden Bolivianer.

Doch zuvor war noch eine weitere Akklimatisationstour vorgesehen. Daher stiegen wir vom Chacaltaya zur Zongo-Pass-Straße hinab. Am Pass selbst errichteten wir unserer Basislager. Ausgangspunkt für eine Besteigung des Cerro Charaquini - 5392 m. Gegenüber erhebt sich der Huayna Potosi. Die Aufstiegsroute ist komplett einzusehen.

Über dem Zongo-Pass erhebt sich der Cerro Charquini, auf dessen Gipfel wir gestern standen.

Es folgte ein langer Abstieg in unser Basislager am Zongo- Pass. In der Nacht hatten wir kaum etwas von der Aufstiegsroute erkennen können. Wir folgten unseren einheimischen Führern, die die Route genau kannten. Jetzt sahen wir welch gewaltige Gletscherspalten wir umgehen mußten.

Auch die nächste Nacht war recht kurz. Wieder brachen wir um 3 Uhr zum Gipfel auf. In eisiger Kälte erfolgte der Aufstieg. Da er von Westen aus erfolgte stiegen wir lange im Schatten des Berges auf. Erst spät erreichten uns die ersten Sonnenstrahlen.

Unser Abstieg wurde durch die beim Aufstieg angebrachten Fixseile erleichtert. Erst am späten Nachmittag erreichte ich müde, aber zufrieden über den Gipfelerfolg das Basislager. Am nächsten Tag fuhren wir nach La Paz zurück. Hier erwartete uns eine warme Dusche sowie ein Ruhetag.

Mit Spannung erwarteten wir diesen Tag. Es wurde ein Tag, wie in La Paz bislang wohl selten erlebt haben dürfte. Auf verkehrsfreien Straßen ging die Bevölkerung spazieren. Von Unruhen oder Demonstrationen war nichts zu spühren. Auch wir genossen den Tag und bereiteten uns auf unseren 3. Gipfel, dem Illimani vor.

Wohlbehalten erreichten wir unser Basislager auf der Westseite des Illimani auf 4450 m. In der Nacht waren die Lichter von La Paz in der Ferne zu sehen.

Unsere weitere Aufstiegsroute war vom Hochlager gut einzusehen. Ein Firngrat führte hinauf zur Gipfelwand zwischen Mittel- und Südgipfel. Dabei waren etliche Gletscherspalten zu umgehen.

Erst am Gipfelgrat erreichten uns die ersten Sonnenstrahlen. Wärme brachte diese jedoch kaum. Bei eisigem Sturm verweilten wir nur kurz am Gipfel und stiegen dann in unser Basislager ab.

86 Illimani a

Wer den Illimani besteigen will, sollte dies bald in Angriff nehmen. Auch hier macht sich der Klimawandel bemerkbar. Ende 2011 wurde mitgeteilt, dass die Eisfläche auf der La Paz’er Seite um 30 % zurückgegangen sei.

Am 4. Juli landeten wir nach 16-stündiger Anreise in El Alto. Von hieraus fuhren wir in den Talkessel von La Paz. Mitten im Zentrum liegt unser Hotel “Libertador”. Ideal, um von hier aus die Stadt zu Fuß zu erkunden.

 

Ein weiterer zentraler Platz der Stadt ist die Plaza San Francisco mit der Franziskanerkirche. In der Kirche befindet sich eine Jesusstatue mit blau leuchtendem Heiligenschein.

Hier werden Lama-Föten angeboten. Traditionell werden diese im Fundament eines neuen Hauses begraben, damit sie den künftigen Bewohnern Glück bringen.

Bevor wir zu unseren Bergtouren aufbrachen, wollten wir uns am Titicaca-See akklimatisieren. Der See liegt auf etwa 3800 m und gilt als der höchst gelegene regelmäßig beschiffte See unserer Erde.

Berühmt für Tiahuanaco ist das Sonnentor. Heute gilt es als ziemlich sicher, dass es sich hier um einen Kalender handelte. Archäologen erkennen in der zentralen Figur den Schöpfergott "Viracocha".

Mit dem Schiff fuhren wir zur Sonneninsel. Der Legende nach sollen hier auf Geheiß des Sonnengottes der 1. Inka Manco Cápac und seine Frau Mama Ocllo den Wassern des Titicaca-Sees entstiegen sein, um das Reich der Inkas zu schaffen.

Mit diesem Ausflugsprogramm zum Titicaca-See hatten wir die erste Phase unseres Akklimatisationsprogrammes abgeschlossen. Nach einer Übernachtung in La Paz brachen wir am nächsten Tag zum Chacaltaya (5180 m) auf. An den Hängen des Berges befindet sich ein Skigebiet. Skifahrer trafen wir dort jedoch nicht. Von der Berghütte waren es nur ca. 200 Höhenmeter bis zum Gipfel. Von dort bot sich ein eindrucksvoller Blick auf den Huayna Potosi, dem ersten 6000er, den wir besteigen wollten.

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Zurück im Basislager bereiteten wir uns auf die Besteigung des Huayna Potosi vor. Am nächsten Tag stiegen über zunächst über einen Moränenrücken, dann über einen Gletscher zum Hochlager Campamento Argentino auf 5500 m auf.

Um 3 Uhr in der Nacht brachen wir zum Gipfel des Huayna Potosi auf. Bei Sonnenaufgang erreichten wir ein Plateau, von dem der weitere Anstieg steil bergauf zum Gipfel führte. Hier erleichterten Fixseile den Auf- und Abstieg.

Vom Potosi ging es direkt weiter zum Sajama. Mit 6542 m ist er der höchste Berg Boliviens. Über ein Zwischenlager auf 4700 m stiegen wir in ein Hochlager auf. Dieses lag auf etwa 5500 m auf einer schmalen Felsrippe und bot nur für wenige Zelte Platz. In der Ferne grüßten die Payachatas (Zwillinge) Parinacota und Pomerape.

Erst gegen 10 Uhr erreichte ich den Gipfel. Der Aufenthalt am höchsten Ort Boliviens war recht kurz, denn wir wollten am gleichen Tag noch bis ins Basislager absteigen. 

Unser Reiseprogramm hatten wir so gestaltet, dass wir den 18. Juli in La Paz verbrachten. Für diesen Tag stand in Bolivien ein Referendum über die fossilen Brennstoffe an. Im Herbst 2003 entfachte in El Alto ein Aufstand, der die Verstaatlichung der bolivianischen Bodenschätze und den Rücktritt des Präsidenten forderte. Präsident Gonzales Sanchez de Lozada floh außer Lande. Sein Nachfolger Carlos Mesa kündigte daraufhin eine Volksabstimmung über die Zukunft der fossilen Brennstoffe an. Diese sollte nun am 18. Juli erfolgen. Für diesen Tag wurde für das ganze Land ein Fahrverbot erteilt. Das Auswärtige Amt in Deutschland sprach eine Reisewarnung aus. Auch die Polizei in La Paz bereitete sich auf einen Ausnahmezustand vor.

Der Illimai liegt ca. 40 km Luftlinie von La Paz entfernt. Die Anfahrtsstrecke von 120 km ist ein besonderes Erlebnis. Zunächst geht es auf relativ guter Straße durch eine wildromatische Berglandschaft. Die letzten Kilometer wurden auf einer alten Minienstraße zurückgelegt, die mehrfach die Fähigkeiten des Fahrer sowie das Nervenköstum der Beifahrer auf die Probe stellte.

Mühsam geht es über Fels und Geröll zum Hochlager “Nido de Condores” auf 5500 m. Gegenüber dem Nest des Kondors ragt die Flanke des Nordgipfels empor.

Wieder brachen wir nachts um 3 Uhr auf. Wie am Sajama war es eisig kalt, doch diesmal kam noch ein starker Sturm hinzu, so dass Füsse und Hände unter der Kälte litten. Auch am Illimani erfolgte der Aufstieg von Westen.

In La Paz hatten wir noch einen Tag für Einkäufe zur Verfügung. Ich nutzte diesen zum Relaxen. Auf der Plaza Murillo beobachtete ich das Treiben und erinnerte mich an die zurückliegenden Tage. Ein Erholungsurlaubs war diese Reise nicht, aber die Gipfelerfolge werden unvergessen bleiben.

Bolivien hat über das Referendum abgestimmt. Entgegen allen Erwartungen blieb es am Tag der Abstimmung in Bolivien weitestgehend ruhig. Es kam nur zu kleineren Auseinandersetzungen und Straßenblockaden. Die Abstimmung ergab ein deutliches „JA“.

Bemühungen der Regierung, das Ergebnis des Referendums nun in ein Gesetz einzubringen, scheiterten am Widerstand des Präsidenten Mesa. Jedes Gesetz, das potentielle Investoren abschrecken könnte, wurde von ihm verhindert. Er stellte klar, dass es mit ihm keinen Verhandlungsspielraum über das Thema Verstaatlichung gibt. Dies konnten sich die sozialen Bewegungen im Land jedoch nicht gefallen lassen. Eine innenpolitische Krise, die das Land an den Rand eines Bürgerkrieges führte, war die Folge. Unter dem Druck der Bevölkerung, die eine Verstaatlichung der Gas- und Ölindustrie forderte, trat Präsident Mesa schließlich im Juni 2005 von seinem Amt zurück.

Im Dezember 2005 wurde zum ersten Mal in der fast 200-jährigen republikanischen Geschichte Boliviens mit Evo Morales ein Angehöriger der indigenen Bevölkerungsmehrheit zum Präsidenten gewählt. Am 1. Mai 2006 ordnete er die Verstaatlichung der Öl- und Erdgasindustrie an. Der Anordnung zufolge müssen alle ausländischen Unternehmen ihre Lizenzen für die Erdgas- und Erdölfelder dem Staat übergeben. Weitere Verstaatlichungen wurden angekündigt.